Ist Fliegen gefährlich?

Das Image der "gefährlichen Fliegerei" kommt wohl vor allem daher, dass Unfälle in den meisten Fällen viel ungewöhnlicher und spektakulärer sind und sich daher einer viel größeren öffentlichen Aufmerksamkeit "erfreuen".

Flugunfälle

sind jedoch - gemessen an der Gesamtzahl der in jedem Jahr stattfindenen Flüge im gewerblichen und privaten Luftverkehr - äußerst selten. Wenn sie dann aber doch passieren, haben sie meist ernsthaftere Folgen als Unfälle mit anderen Fortbewegungsmitteln dies haben. Klar, bei einem Absturz aus mehreren hundert oder tausend Metern Höhe, meist mit entsprechend hoher Geschwindigkeit, sind die Überlebenschancen nicht hoch. Und bei einem Motorschaden mal schnell "rechts ran fahren" ist im Flug auch nicht so ohne weiteres möglich. Das Wissen um dieses enorm hohe Gefahrenpotential sorgt aber gleichzeitig auch dafür, dass  tatsächlich sehr wenige Flugunfälle passieren.

Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch.

Ein Beispiel: Sie unternehmen mit ihrem PKW eine Reise von 200 km. Wie viel Zeit nehmen Sie sich, um sich vorab von der Fahrtüchtigkeit ihres Fahrzeugs zu überzeugen? Überprüfen Sie die Bremsen? Die Zündkerzen? Die Lenkung? Das Funktionieren aller Leuchten? Den Ölstand? Werfen Sie mal einen Blick unter Ihr Auto? Kontrollieren Sie wenigstens den Benzinstand? Die mehrheitliche Antwort ist uns allen bekannt und ebenso ernüchternd. In der Fliegerei sieht die Welt allerdings völlig anders aus. Eine ausführliche Überprüfung des Fluggeräts (nach Checkliste!) vor jedem Flug ist nicht nur gesetzliche Vorschrift für den Piloten,  sondern auch tatsächliche tägliche Praxis. Die Halter des Luftfahrzeugs sind darüber hinaus zudem verpflichtet, das Flugzeug und alle seine Komponenten in äußerst kurzen Intervallen einer

Überprüfung und Wartung durch qualifizierte Personen  oder Fachbetriebe

zu unterziehen: Ein Motor ist spätestens alle 100 Stunden "fällig", jedes Flugzeug muss einmal im Jahr zur ausführlichen Prüfung, Einzelprüfungen durch den Halter und/oder Fachbetriebe nach besonderen Vorkommnissen (harte Landungen, Zwischenfälle, etc.) sind ebenfalls Pflicht. All dies führt dazu, dass das "Material" extrem sicher ist. Tatsächlich ist es auch so, dass ein Großteil der ohnehin schon seltenen Flugunfälle nicht auf technische Probleme, sondern auf

Menschliches Versagen

(z.B. Leichtsinnigkeit, Unachtsamkeit oder Überforderung) zurückzuführen ist. - Aber auch hier ist die Reihe der Sicherheitsvorkehrungen beachtlich:  Bevor ein Pilot überhaupt fliegen darf, ist eine gründliche Ausbildung mit praktischer Schulung nicht nur zum Vermeiden von Gefahrensituationen, sondern auch zum Verhalten in solchen Situationen obligatorisch. Um nach erfolgreicher Prüfung fliegen zu dürfen, ist später der kontinuierliche Nachweis jährlicher Flugpraxis (Mindest-Flugstunden/Starts/Landungen) incl. eines jährlichen Trainingsflugs mit Fluglehrer Pflicht. Die körperliche Verfassung eines Piloten wird in engen Zeitabständen von speziellen Fliegerärzten überprüft, die Zulassungsvoraussetzungen sind verbindlich und hoch. Und, fast das wichtigste: Nahezu jeder Pilot bewahrt sich - trotz oder vielleicht gerade wegen jahrelanger Erfahrung - ob des Wissens um die Gefahren einen gehörigen Respekt vor der Fliegerei und handelt in der Luft entsprechend umsichtig, konzentriert und bedacht.

Ob Fliegen also gefährlich oder sicher ist, hängt also vor allem von Ihnen selbst als Pilot ab: Wenn Sie sich an die Regeln halten und sich den

Respekt vor dem Fliegen

bewahren (und wie gesagt, dies gilt für nahezu alle Piloten), dann ist die Gefahr sehr gering. Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes belegen diese Einschätzung. Sind im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2009 pro eine Milliarde Personenkilometer (= Anzahl der Reisen x Anzahl der Insassen x zurückgelegte Strecke) im Deutschen Straßenverkehr jährlich 275,8 Menschen in PKW verunglückt (Verletzungs- oder Todesfolge), so waren es im gewerblichen Flugverkehr (für den privaten Flugverkehr liegen die Zahlen nicht exakt vor) lediglich 0,3 Menschen. Die Gefahr, im PKW zu verunglücken, ist also nach dieser Rechnung  919 mal höher als im Flugzeug. Seien sie also versichert: Wenn Sie mit dem Auto zum Flugplatz fahren, um dann zu fliegen, haben Sie den gefährlichsten Teil der Strecke schon hinter sich, wenn Sie am Flugplatz ankommen.