Das Prinzip des Segelflugs

Beim Segelflug wird neue Energie in der Form zugeführt, dass eine Kraft von außen das Flugzeug immer wieder in die Höhe hebt, fast wie in einem Aufzug. Das Flugzeug kann dann anschließend diese Höhe langsam wieder abbauen und damit Geschwindigkeit produzieren, die in Auftrieb umgesetzt wird, der für das bestmögliche Halten der Flughöhe benötigt wird. Irgendwann ist aber dann so viel Höhe abgebaut, dass das Segelflugzeug wieder "in den Aufzug steigen muss", wenn es der Erdoberfläche nicht zu nahe kommen will. Und wie funktioniert nun dieser Aufzug? Eine weitverbreiteter Glaube ist:

"Zum Segelfliegen braucht man Wind".

Diese Aussage ist ebenso einfach wie irreführend. Das, was wir normalerweise unter Wind verstehen (das was uns frontal auf die Nase weht), bringt fürs Segelfliegen nicht wirklich etwas und ist aus verschiedenen Gründen oftmals sogar eher störend. Benötigt werden aber Aufwinde, also Luft, die von unten nach oben steigt. Befindet sich ein Segelflugzeug in einem solchen Aufwind, wird es mit nach oben getragen und gewinnt die benötigte Höhe. Solche Aufwinde entstehen in der Hauptsache durch die Sonne. Ja, richtig: Segelflugzeuge fliegen in diesem Sinne tatsächlich mit Solarenergie. Die Sonne erwärmt die Luft an besonders begünstigten Stellen (sonnenzugewandte Berghänge, Felder, trockene Flächen, etc.) stärker als in der Umgebung. Warme Luft steigt über diesen Stellen nach oben, wobei sie langsam auch wieder abkühlt, bis sie die Temperatur der sie umgebenden Luft erreicht hat und nicht mehr weiter steigt. Diese thermischen Aufwindfelder sind räumlich oftmals eng begrenzt, der Durchmesser beträgt meist nur wenige hundert Meter. Um sie optimal zu nutzen,  muss der Segelflieger in diesen Aufzügen enge Kreise drehen, bis er die gewünschte Höhe erreicht hat oder die Luft nicht mehr weiter steigt. Und wie findet ein Segelflieger solche Stellen? Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann er schauen, wo andere Segelflieger (oder Vögel, denn die bedienen sich des gleichen Prinzips) enge Kreise ziehen. Außerdem kann ein erfahrener Segelflieger auch anhand der Beschaffenheit der Erdoberfläche Rückschlüsse darauf ziehen, ob über einem bestimmten Gelände mit Aufwind (Thermik) zu rechnen ist. Die dritte und am häufigsten genutzte Methode ist: Wolken suchen. Aufsteigende und somit abkühlende Luft kann das in ihr gasförmig enthaltene Wasser immer weniger halten, das Wasser kondensiert aus, aus diesem Grund bilden sich Wolken (aus dem gleichen Grund bildet sich auch der Beschlag auf Fensterscheiben oder Badezimmerspiegeln). Horizontal begrenzte Wolken mit deutlicher vertikaler Ausprägung (Haufen- bzw. Cumuluswolken) sind also ein äußerst sicherer Indikator dafür, dass unter den Wolken

Die Ka8 beim Windenstart

Kurbelnde Segelflugzeuge

Die DG 1000 im Schlepp unserer Jodel

Nutzbare Aufwinde

(Segelflieger sprechen dann von "Bärten") vorzufinden sind. Aus diesem Grunde sieht man es sehr häufig, dass unter einer solchen Wolke viele Segelflugzeuge traulich vereint "Karussel fahren" oder, wie die Segelflieger sagen: "kurbeln". Solange also die entsprechenden Wetterbedingungen vorliegen, kann ein Segelflieger ohne zusätzlichen Antrieb nahezu endlos fliegen. Es wurden mit Segelflugzeugen schon Flughöhen von fast 15.000 Metern erreicht und Strecken von über 3.000 Kilometer in einem Flug ohne Zwischenlandung zurückgelegt.

Lediglich, um überhaupt in die Luft zu kommen, also eine gewisse Anfangshöhe zu haben, aus der der komplette folgende Flug dann entwickelt werden kann, braucht ein Segelflugzeug Hilfe. Durchgesetzt haben sich im Großen und Ganzen zwei Startarten:

Der Windenstart,

bei dem das Flugzeug an einem langen Seil von einer am Boden befindlichen Winde in die Luft gezogen wird. Fast das gleiche Prinzip, wie wenn Kinder im Herbst ihre Drachen steigen lassen, der einzige Unterschied ist, dass die Winde sich nicht bewegt sondern das Seil auf einer großen motorgetriebenen Trommel sehr schnell aufwickelt. An der Stelle der höchsterreichbaren Flughöhe (bei 1000 Meter Startstrecke sind dies ca. 500 Meter Höhe) klingt der Pilot das Seil dann aus und fliegt alleine weiter.  Das Schleppseil sinkt an einem kleinen Fallschirm zu Boden, während es von der Winde weiter aufgerollt wird. Die zweite populäre Startart ist der

Flugzeugschlepp (F-Schlepp),

bei dem das Segelflugzeug an einem ca. 30-60 Meter langen Seil an einem Motorflugzeug hängt und von diesem in die Luft gezogen wird. Eigentlich vergleichbar damit, wenn ein Auto abgeschleppt wird (abgesehen von den viel höheren Geschwindigkeiten). Wenn die gewünschte Flughöhe erreicht ist, klingt der Segelflugpilot die Schleppleine aus und setzt den Flug alleine fort. Das Motorflugzeug fliegt zum Ausgangspunkt zurück  und wirft die Schleppleine an einer bestimmten Stelle ab, bevor es wieder landet (manche Schleppflugzeuge können die Leine auch einziehen).